Alexandra Rainer
Die Frauen auf der Enterprise

Die 60er Jahre TV Serie Raumschiff Enterprise strahlt einen eigenen Charme aus. Noch 30 Jahre nach ihrem Start fliegt die Enterprise über deutsche und internationale Bildschirme. Wir alle kennen Captain Kirk, Spock oder den streitbaren Doktor "Pille" McCoy. Aber wo bleiben die Frauen? Da gab es die Kommunikationsoffizierin Uhura und...? Hier wird es für die meisten schwierig, und doch gab es sie, in fast jeder der 79 Episoden - die weibliche Sexbombe. Und nicht alle diese Schönheiten waren sanfte Engel. Einige sind richtig bösartige Hexen und setzen Kirk und Co ganz schön zu. Die Autorin beschreibt die (Un)Taten dieser bösen Frauen und ihr logisches Ende. Denn man(n) wünscht sich aufregende Schönheiten, die sich brav unterordnen und keine aktiven "Hexen", die dem patriarchalen Rollenklischee entkommen wollen.

Das Buch beweist - gleichberechtigte Frauen sind schlimmer als ein Warpkernbruch.

Alexandra Rainer, Autorin von Hollywoods märchenhaftes Frauenbild und Monsterfrauen, studierte Theaterwissenschaft und Publizistik in Wien und arbeitet seit 1996 freiberuflich im Bereich der Filmwissenschaft in Berlin.

"Eingefleischte Trekkies dürften allein schon das Thema für einen Tabubruch halten. Dennoch ein kurzweiliger und wichtiger Beitrag."
Uwe Aldinger (ekz-Informationsdienst BA 4/99 - ID 48/00) Gesamte Besprechung

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Die Besten Sexismen


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240 S., 14,80 €, ISBN 3-930737-89-2


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PD-Verlag , Everstorfer Str. 19 , 21258 Heidenau, Tel. 04182/401037 , FAX: 04182/401038


Starke Frauen - Böse Frauen?

Sexismus auf Captain Kirks Enterprise oder

arbeitende Frauen leben gefährlich

Alexandra Rainer, April 2001

Wenn ich sage, dass auf dem guten alten Raumschiff Enterprise ganz schön frauenfeindliche Sprüche losgelassen wurden, dann war die Antwort immer gleich: Wo waren denn da Frauen?

Die erste Farbige im Weltall, Kommunikationsoffizierin Uhura und vielleicht auch noch Schwester Chapel sind die einzigen Frauen, die in Erinnerung blieben. Und das ist ganz schön interessant, denn in fast jeder Episode (und es gab 79 davon) trat eine Frau auf. Warum erinnern sich also alle nur an die einzigen zwei braven Frauen? Ein Argument dafür ist ihr wiederholtes Auftreten, während die vielen anderen und oft sehr bösen Frauen immer nur in einer Episode auftraten. Aber meiner Meinung nach steckt da eine ordentliche Portion von ideologischer Verdrängung dahinter. Die bösen Taten der vielen machtgierigen Feindinnen, die es auf Kirk und mit ihm das patriarchale System abgesehen hatten, werden einfach ignoriert und vergessen. Aber die sich völlig dem Mann unterordnenden braven und harmlosen Frauen Uhura und Mama Chapel bleiben in Erinnerung. Warum?

Schwester Chapels Hauptarbeit in ihren 25 Kurzauftritten (soweit zur "ständigen" Rolle!) bestand im Verabreichen von Spritzen und bemuttern von kranken Crewmitgliedern. Sie bemitleidet Spock und McCoy, bringt dem kranken Spock eine Suppe, der paralysierten Uhura das Schreiben bei, den verletzten Kirk zu Bett, einem Jungen Essen ("Hallo, wir haben zwar Alarmstufe Rot aber Sie sollten trotzdem etwas essen."); wird als "hübsches Kind" bezeichnet, hält Spocks Hand, spielt mit Kindern und bringt diese zu Bett. Damit ist ihr die Rolle der guten Mutter sicher. Die Arbeit des Doktors wird gelobt, sie dagegen steht im Hintergrund und wird als "Dank" auch noch öfters angefahren, schneller zu arbeiten. Sie verrichtet untergeordnete Arbeit, bedroht auf diese Weise nicht die Vorangstellung des Mannes und paßt somit perfekt in das (damals?) vorherrschende Frauenbild.

Auch die berühmtere Uhura kann nicht als Zeichen von Emanzipation gewertet werden, so fortschrittlich die Anwesenheit einer farbigen Frau im All Ende der 60er auch gewesen sein mag. Sie ist in 10 Episoden erst gar nicht anwesend und spielt nur in 29 eine etwas größere Rolle. Ihr längster Auftritt sind ganze 5 Minuten und 25 Sekunden. Werden alle ihre Auftritte zusammengefaßt, dann ergibt die Figur der Uhura trotzdem einen Sinn, wenn auch keinen frauenfreundlichen. Uhura ist das Crewmitglied, das von Kirk am häufigsten abgekanzelt wird. ("Lieutenant, jetzt mischen Sie sich nicht auch noch ein", "Uhura, strengen Sie einmal Ihr hübsches Köpfchen an") Sie sehnt sich nach einem Mann, hält wohl nicht sehr viel von sich ("Ich bin ein unlogisches Lebewesen"); ist wankelmütig ("Ich bin eine Frau, ich ändere oft meine Meinung."); singt gerne, fällt öfters zu Boden, damit ihr ein Mann aufhelfen kann, hat Angst um sich, ihre Schönheit oder um Kirk, wird als unlogisch bezeichnet (Eine Maschine über Uhura: "Dieser Computer ist unvollkommen. Seine Denkvorgänge sind ungeordnet." Spock:"Dieser Computer ist eine Frau."); sie zeigt Bein und manchmal Höschen, wird von Genmenschen mit Schlägen, von Kirk mit der Peitsche bedroht, von einer Sonde ihres Hirns beraubt, voller Erschrecken zu einem Würfel gemacht, an ein Bett gefesselt, von Sulu und einem sogenannten Auserwählten sexuell bedroht und von Kirk geküßt. Uhura ist das arme Opfer, sadistische Gelüste werden an dieser Figur ausgelebt.

Nebenfiguren: Neben diesen beiden braven Hauptfiguren gibt es unzählige ständig wechselnde Sekretärinnen, deren Job darin besteht, Kirk etwas zum Unterschreiben vorzulegen oder irgendwelche Befehle mittels Tricorder aufzunehmen. Da es sich immer um Frauen handelt, die dem Schönheitsideal entsprechen, bedeutet das einerseits, dass Frauen nur einfache Arbeiten leisten können/sollen und dass Frauen als Sexobjekte aufgefasst werden. So wird Kirk beim Anblick einer dieser Schönheiten daran erinnert, dass er bald wieder Urlaub auf der Venus machen sollte. Haben Frauen Kurzauftritte, dann sind sie gute Frauen. Wenn sie Pech haben, sterben sie durch rapides Altern wie Galway, die noch jammern durfte: "Ich will nicht schlafen, wie werde ich dann aussehen wenn ich aufwache" und sich mit einem "Hilfe" verabschiedet. Oder sie werden wie Julie Cobb zu einem Würfel gemacht und zerschmettert. Solche Figuren werden nicht betrauert, sie sind nur da, um das Opferdasein von Frauen zu unterstützen und Zuseherinnen so ganz nebenbei darauf hinzuweisen, dass jede nicht frauenspezifische Arbeit zu gefährlich ist und sie daher lieber Sekretärinnen, Telefonistinnen oder Krankenschwestern bleiben sollen. Ein anderer Grund für Kurzauftritte "guter" Frauen ist der Hinweis auf deren sexuelle Verfügbarkeit. "Ich hab' auf dich gewartet...ich soll dir Wein geben, Essen, alles was du willst. Ich bin Drosilla, die Sklavin des Prokonsuls. Heute Abend bin ich deine Sklavin und heute Nacht. Ich werde dir alle deine Wünsche erfüllen, befiehl mir."

Frauen in großen Rollen sind böse: Haben Frauen so große Rollen, dass sie für die Geschichte wichtig sind, dann kann davon ausgegangen werden, dass sie sehr böse sind. Das faszinierende ist nun, dass diese starken Frauen in fast jeder Episode vorkommen. Ohne sie wäre die jeweilige Episode und damit die gesamte Serie nicht in der Form vorhanden, in der wir sie kennen und durch die sie so berühmt wurde, dass 10 Filme und zur Zeit drei Nachfolgeserien folgten. Wie konnte also vergessen werden, dass es diese bösen Frauen gab, wo sie doch den Ablauf der Geschichten bestimmten? Bemerkenswert ist, dass böse Frauen auch immer (natürlich) schöne Frauen sind. Die sexualisierte Frau wird zum Monster. Gleichzeitig haben diese Frauen keinen frauentypischen Job wie Sekretärin sondern haben sich in bisher männliche Sphären vorgewagt. Wir sehen Ärztinnen, Biologinnen, Psychologinnen, Archäologinnen, Historikerinnen, viele Herrscherinnen, Forscherinnen und eine Doktor Lester, die selbst Captain werden will. Diese mächtigen Frauen werden vernichtet oder wenigstens auf ein erwünschtes Mass zurückgestutzt. Ein Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Serie: Die Verdrängung des Weiblichen und Wiedereinsetzung der gefährdeten männlichen Macht. Die Serie erledigt ihre starken Frauen, indem sie diese sterben und die Leichen manchmal sogar lange im Bild lässt, damit auch allen klar wird, was mit starken Frauen passiert. Frauen können in der Serie nicht mit Macht umgehen, bewirken nur Böses und haben sich daher wieder in eine untergeordnete Rolle einzufügen oder zu sterben. Die weiblichen Monster sind übrigens nicht nur Karrierefrauen sondern oft auch sexuell aktiv:

  • Archäologin Nancy ist Männermörderin und Verführerin, wird getötet
  • Ärztin Doktor Dehner ist dominante, selbstbewusste Schönheit, stirbt
  • Wissenschaftlerin wird erwürgt
  • Prostituierte/Geliebte ist gefühllos und sexy und mörderisch; stirbt
  • Psychologin Noel macht aus Kirk einen verliebten Trottel, daher beruflich disqualifiziert
  • Forscherin Vina will Captain zum Familienleben verführen, daher entstellt und einsam
  • Schauspielerin Lenore bezeichnet Kirk als netten Jungen und tötet Männer, wird wahnsinnig
  • Juristin will Kirk zu Fall bringen, scheitert beruflich
  • Schiffshistorikerin liebt den falschen Mann, daher verbannt
  • Botanikerin Leila macht aus Spock einen Befehlsverweigerer, daher unglücklich und einsam
  • Missionarin Edith ist zu selbstbewusst und dominant, stirbt
  • Ehefrau Aurelia beschneidet wohl Mannes Freiheit, stirbt
  • Schiffsarchäologin Carolyn liebt falschen Mann, ist unglücklich verliebt
  • Forscherin Sylvia tötet und bedroht Männer, löst sich in Rauch auf
  • Politikerin Hedford ist wohl zu mächtig und schön, stirbt
  • Ärztin beruflich disqualifiziert da senilen Männern unterlegen
  • Tänzerin und weiblicher Bootsmann zu sexuell, ermordet
  • Wieder eine tote Ehefrau
  • Weibliche Sicherheitswache stirbt
  • Gladiatorin, starke Kämpferin, einsam zurückgelassen
  • Kräuterhexe Nona ist machtgierige Verführerin, erstochen
  • Frau ist Sexsklavin
  • Eine ungenannte Verlobte ist Opfer von Nazihorden und stirbt
  • Frauen an der Macht sind dumm
  • Kommandantin will Spock verführen, scheitert beruflich
  • Ehefrau Miramanee stirbt
  • Doktor Jones scheitert beruflich und bleibt einsam
  • Priesterin ist einsam und verlassen
  • Königin Deela bleibt einsam zurück
  • Herrscherin Elaan muss heiraten und ist unglücklich
  • Bibliothekarin stirbt
  • Losira, schöne Männermörderin und Sprecherin ihres Volkes ist schon lange tot
  • Martha, Beruf Geliebte, ist irre Verführerin und wird in die Luft gesprengt
  • Androidin mit vielen Doktortiteln stirbt
  • Kämpferin wird gefoltert
  • Zarabeth ist Verführerin und Möchtegerngeliebte Spocks, daher totgeweiht
  • Doktor Lester wird wahnsinnig

Starke Frauen leben gefährlich. Ihre Zähmung funktioniert, indem arbeitende und Gleichberechtigung anstrebende Frauen als böse dargestellt werden und damit ihre Vernichtung gutgeheissen wird. Es ist wichtig, welche Frauen in der Serie sterben. Denn wenig überraschend sind die toten Frauen diejenigen mit den sogenannten Männerberufen. Bei 20 toten Frauen haben nur drei lustvoll präsentierte Frauenleichen nichts oder kaum etwas mit Sexualität zu tun. Ganze 19 von den 20 toten Frauen sind mehr als nur kleine Statistinnen. Ihr Tod erscheint als "gerechte" Todesstrafe. Die Frau "verdient" den Tod wenn sie: Männer mordet, verführerisch, Karrierefrau, kühl, dominant, selbständig, sexy, gefühllos, politisch engagiert, pazifistisch, eine Hexe, arrogant, kokett, mystisch, Priesterin, Ehefrau, Geliebte, Verlobte, Verrückte, Nutte, lügnerisch ist oder Kirk zu sehr in sie verliebt ist. Besonders häufige Eigenschaften der bösen Frau sind: Dominanz, Macht, Selbständigkeit und Karriere.

Fazit:

Das Ergebnis ist nicht erfreulich. Sind Frauen eine gute, sich unterordnende Mutter oder unwichtiger und vor allem ungefährlicher Blickfang, dann werden sie in die Gemeinschaft, die große Familie aufgenommen. Gute Frauen sind schwache Frauen, die männliche Macht niemals gefährden würden. Sie gefährden die Männerbünde nicht sondern bestätigen sie durch ihre unterwürfige Art und Akzeptanz ihrer als natürlich dargestellten Unterlegenheit. Da sie keine Gefahr bedeuten werden sie ihrerseits von den Männern an der Macht akzeptiert und erhalten im Gegensatz zu den starken Frauen einen "Krümel vom Kuchen". Sie geraten nicht ins Vergessen und müssen dafür auch noch dankbar sein. Die saubere Mama Chapel und die brave kleine Schwester Uhura sind die Frauenfiguren, die in die Geschichte eingehen dürfen.

All die anderen starken und aggressiven Frauen werden schnell verdrängt, bevor sie zu Identifikationsobjekten werden. Sie sind böse, weil sie die Vorangstellung des Mannes brechen. Wenn sie nicht sterben, müssen sie wenigstens mit Einsamkeit und Unglück büssen. Mit ihrer oft völligen Vernichtung wurde das System der 60er Jahre bestätigt und Selbstbestimmung fordernde Frauen mußten mitansehen, was Frauen zu erwarten hatten, wenn sie die männliche Autorität in Frage stellten: Einsamkeit, Unglück und Tod. Ziel ist die Durchsetzung des altbekannten Frauenbildes das Passivität, Unterordnung und Gehorsam fordert. So feierte das Raumschiff Enterprise konservative Werte der 50er Jahre und stellte sich mit der Unterwerfung und Vernichtung mächtiger Frauen in den Dienst einer völlig frauenfeindlichen Politik, die den sich ankündigenden Feminismus der 70er Jahre im vorhinein zerstören wollte.

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